Am 04. Oktober ist Welttierschutztag!

Am Sonntag ist Welttierschutztag – ein extrem wichtiger Tag. Nicht nur wegen des Themas an sich, sondern auch, weil wir im Tierheim auf Teneriffa hohen Besuch erwarten: der Deutsche Tierschutzbund schaut dieses Wochenende bei uns vorbei. Wir werden in den nächsten Arche News darüber berichten. Aber zurück zum Thema. 

Als Tierfreund fragt man sich, warum so ein Tag überhaupt nötig ist. Die Antwort folgt aber auf dem Fuße, denn es reicht ein einziger, wacher Blick im Alltag. Ob das Schnitzel für € 1,89 im Supermarkt, die im Winter angebundene Kuh im Stall beim Bauer nebenan, die Eier aus Käfighaltung in unseren Nudeln, die kuscheligen Daunen im Kopfkissen oder der leckere Sahnejogurt beim Discounter … diese Liste könnte unendlich fortgeführt werden. Aber nicht nur die Massentierhaltung, die so unglaublich viel Leid verursacht, benötigt ein Umdenken. Auch da, wo man es kaum vermutet, wäre ein kritischer Blick oft nötig: bei der privaten Tierhaltung.

In unserem Bensheimer Vereinsbüro erreichen uns täglich Anrufe von Menschen, die ihr Tier abgeben möchten. Da wir als „Tierschutzverein Bensheim“ im Internet zu finden sind, denken viele, dass wir hier in der Obergasse tatsächlich ein richtiges Tierheim betreiben.

Unsere Kätzchen Illa und Ida haben zum Glück ein tolles Zuhause gefunden.

Die Tiere, um die es geht, stammen glücklicherweise zu 99,8% nicht von uns. Die Abgabegründe, die uns während dieser Telefonate genannt werden, sind oft so unglaublich, dass uns schlicht die Worte fehlen. Hier ein paar Beispiele:

  • „Wir wollen unseren Hund abgeben, weil wir beide arbeiten gehen und meine Frau Angst vor ihm hat.“ Auf die Frage, warum sie sich dann einen Hund zugelegt haben, bekamen wir die Antwort: „Na als wir den geholt haben, war er 3 Monate alt, da war er klein und süß. Jetzt ist er aber 9 Monate alt und groß, ist halt ein Malinois …“

  • „Ich muss meine Katze abgeben. Sie ist 6 Monate alt. Ich hab sie von einer Freundin übernommen, die wollte sie nicht mehr. Ich kann sie aber auch nicht behalten, die pinkelt überall hin und maunzt die ganze Zeit.“

  • „Wir müssen unseren Hund abgeben, weil er uns gebissen hat. Wir haben den seit einem Jahr – ein Kangal. Wir haben ihn jetzt in ein Zimmer gesperrt, weil wir alle Angst haben. Das Tierheim bei uns in der Nähe kann ihn erst nächste Woche aufnehmen. Könnten Sie ihn denn schneller nehmen?“ Wir sagten ihm, dass wir hier in Bensheim leider keine Tiere aufnehmen können, da fragte er: „Meinen Sie, wir könnten den dann bis nächste Woche in eine Transportbox sperren?“

  • „Ich möchte meine Katze abgeben“. Als wir nach den Hintergründen fragten, erzählte der Herr, dass die Katze seit 16 Jahren bei ihm lebe, sie jetzt aber dement sei, die ganze Nacht maunzt und er deshalb nicht schlafen könne. Außerdem hätten sie jetzt im Garten eine Sandfläche als kleine Urlaubsoase erschaffen und die Katze würde da jetzt ständig ihre Haufen reinmachen. Das ginge so nicht.
Auch Arche-Hündin Xenia lebt seit fünf Jahren bei ihrer Traumfamilie.

Aber auch bei Adoptionsanfragen erfahren wir manchmal Geschichten, die uns fassungslos zurücklassen. Ein besonders tragisches Beispiel ist dieses hier: Ein älterer Herr interessierte sich für einen unserer Hundewelpen. Während des Telefonats erzählte der Mann voller Stolz, dass er seit den 70er Jahren einen Ara im Wohnzimmer halten würde. Auf die Frage hin, ob er ihn denn regelmäßig fliegen lassen würde, erklärte er völlig empört, dass er ja nicht verrückt sei. Schließlich hätte der Vogel furchtbar scharfe Krallen und auch der Schnabel wäre sehr gefährlich. Nee nee, der würde da angekettet auf seiner Stange sitzen. Es handelte sich bei dem Tier um einen Wildfang aus Afrika, der seit nunmehr über 50 Jahren im Wohnzimmer dieses Herren auf einer Stange sitzt …

Wenn wir nach solchen Gesprächen auflegen, wissen wir manchmal nicht, ob wir lachen oder weinen sollen. Viele dieser Geschichten beschäftigen uns noch tagelang und wir fragen uns natürlich: was passiert mit dem Tier, wenn wir nicht helfen? Oder im Falle des Papageien: wie grausam und empathielos kann der Mensch nur sein?

Sie sehen, der Welttierschutztag wird vermutlich noch sehr, sehr lange nötig sein. Obwohl der Tierschutz in Deutschland als Staatsziel im Grundgesetz verankert ist, haben wir noch viel Arbeit vor uns. Ob Massentierhaltung, illegaler Welpenhandel, Zuchten & Qualzuchten, Tierversuche, Artenschutz oder private Tierhaltung – lassen Sie uns gemeinsam ein bisschen genauer hinschauen und achtsamer durch den Alltag gehen. Jeder kann einen kleinen Beitrag zu mehr Tierwohl leisten.

Eine konkrete Bitte zum Schluss:

  • Falls Sie mitbekommen, dass sich jemand spontan und ohne gründliche Überlegung ein Tier zulegen möchte, nehmen Sie Einfluss darauf, wenn Sie können. Klären Sie über den Aufwand, die Verantwortung und die Bedürfnisse des Tieres auf.
  • Wenn Sie Zeuge einer schlechten Tierhaltung werden, melden Sie das beim zuständigen Veterinäramt in Ihrer Region. Dieses ist verpflichtet, der Sache nachzugehen und sich das Ganze anzuschauen.

Lassen Sie uns gemeinsam die Welt ein kleines Stückchen besser machen.
Wir sollten den Tieren eine Stimme geben, die selbst keine haben.