Stell dir vor, du reist auf eine Insel und findest dort in einem Tierheim deine Bestimmung für’s Leben.

von Viviane


Stell dir vor, du reist auf eine Insel und findest dort in einem Tierheim deine Bestimmung für’s Leben. Genau das ist mir passiert.

Alles fing damit an, dass ich mich im Sommer 2023 dazu entschlossen habe, meinen Musik-Master in der Schweiz abzubrechen. Eine Herz-gegen-Kopf-Entscheidung. Irgendwie habe ich einfach gemerkt, dass ich irgendwann von meinem richtigen Weg abgekommen bin. Denn ich wusste, dass ich schon als Kind eigentlich eine tiefe, natürliche Verbundenheit zu Tieren verspürte. Davon habe ich mich im Laufe meines Lebens stark entfernt. Also dachte ich mir, wenn ich noch einmal etwas für die Katze mache, dann wenigstens für eine Lebendige 🙂

Umso glücklicher war ich, als ich eine Zusage vom Tierheim Arche Noah erhalten habe, im Herbst für sechs Wochen herreisen zu können, um täglich von Tieren umgeben sein zu können. Also packte ich meine Sachen, löste meine geliebte WG auf, verkaufte oder verschenkte praktisch alle meine Sachen und stieg einige Wochen später in den Flieger.

Rückblickend kann ich eines jetzt schon sagen: Falls auch du das erste Mal in einem Tierheim arbeiten willst, dann bist du bei der Arche Noah am richtigen Ort. Das Tierheim ist ein kleines Paradies. Die Menschen leben mit den Tieren, nicht umgekehrt und für jedes einzelne Tier wird gut gesorgt. Und dafür, dass du dort gratis leben darfst, müssen die freiwilligen Helfer*innen täglich nur 5h arbeiten. So hatte ich am Nachmittag jeweils genügend Zeit, die Insel zu erkunden. Kleiner Spoiler: Oft bin ich nach dem Lunch aber einfach wieder zu den Tieren ins Zimmer oder Gehege um zu Streicheln und Kuscheln. Sicher wird es dir nicht anders ergehen… Wenn es etwas gäbe, das ich anders machen würde, dann ein Auto bereits zu Beginn zu mieten. Da man als freiwillige Helfer*in praktisch den ganzen Nachmittag frei hat, kann man die Gelegenheit nutzen, die vielfältige Insel ach gemeinsam zu erkunden. Und schon bald merkte ich auch, dass ich nicht die Einzige war, die in Teneriffa ein neues Lebenskapitel beginnen wollte. Es war sehr berührend, die verschiedenen Geschichten der anderen Volontär*innen zu hören. Ihren Mut. Ihre Entschlossenheit. Ihre Hoffnungen. Und alle finden sich an diesem besonderen Ort wieder.

Ich war zuvor noch nie auf Teneriffa. Ich konnte auch kein Wort spanisch ausser «Hasta la vista». Ich war zuversichtlich, dass das ausreichte. Ein weiterer grosser Vorteil im Tierheim ist es aber, dass praktisch alle Deutsch sprechen und man dadurch schnell Anschluss findet. Als ich ankam, war ich absolut überwältigt und zu Tränen gerührt, denn selbst in der Finca leben Katzen und Hunde miteinander, die direkt auf dich zukommen und dich euphorisch begrüssen.

Ich war in den sechs Wochen im Katzenteam – am Anfang leider noch allein, je nachdem, wie viele Helfer*innen gerade zur selben Zeit im Tierheim sind. Aber auch das war ohne Problem machbar. Nach dem Aufstehen konnte ich jeweils gemütlich zu den verschiedenen Zimmern im Katzenhaus und dort erstmals die hungrigen Mäuler füttern. Was für ein wunderbarer Start in den Tag. Einige Katzen brauchten Spezialfutter oder Medizin, eine Katze musste auch täglich beatmet werden. Und die meiste Zeit verbringst du wahrscheinlich mit dem Katzen wieder einsammeln, die bei der Türöffnung vor lauter Aufregung und Freude rausspringen. Nach dem Füttern gings ans Putzen: Die Klos säubern, die Kissen oder Decken auswechseln, den Boden fegen usw. Es ist eine sehr meditative und beruhigende Arbeit, weil die 5h gleichzeitig sowohl zum Putzen als auch zum Kuscheln reichen. Diese beiden Aufgaben sind sowieso nur schwer trennbar, denn die süssen Wesen klettern bei jeder Gelegenheit die Beine hoch, springen auf den Schoss oder kuscheln sich um den Hals. Die Tiere überschütten dich mit ihrer bedingungslosen Liebe. Und je mehr du Spass an der Arbeit hast, desto zutraulicher (und auch frecher) können sie werden 🙂 Ich hatte deshalb auch immer die Kamera dabei, um diese lustigen und schönen Momente festzuhalten.

Die Tiere wuchsen mir so schnell ans Herz, dass ich jeweils mit einem lachenden und auch mit einem weinenden Auge dastand, wenn es «endlich» von einer Familie adoptiert wurde und ein schönes Zuhause gefunden hat. Doch auch wenn ich schon zu Beginn gewusst hätte, wie schwer der Abschied dann ganz am Ende war – ich würde es jeder Zeit wieder tun. Viele freiwillige Helfer*innen kehren immer wieder zurück zum Tierheim und das sagt viel über die Arbeit, die Menschen und den Ort aus.

Eine der berührendsten Storys in meiner Arche Noah-Zeit ist, als ich eines Nachmittages alleine auf der Finca war und es an der Türe klingelte. Eine Frau stand mit dem Welpen in der Hand vor dem Eingang mit der Bitte, den Kleinen aufzunehmen, da sie ihn auf der Strasse gefunden hat. Seine Ohren waren ganz verbrannt, er war abgemagert und voller Zecken. Zu dieser Zeit galt ein Aufnahmestopp im Tierheim. Ich habe Anna, die Leiterin der Arche, angerufen und sie zögerte keine Sekunde und meinte zu mir «Oh Gott. Nimm ihn!». Er bekam dann sofort Essen und Wasser und alle haben alles in ihrer Macht Stehende getan, um ihn gesund zu pflegen. Schon in wenigen Tagen hat er seine Lebensfreude wieder gefunden und konnte dann zu den grossen Hunden ins Gehege. Auch solche Erlebnisse werde ich für immer in guter Erinnerung behalten.


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