Ausnahmezustand im Tierheim dank COVID-19!

Die Lage auf Teneriffa ist ernst. Sie haben es durch die Medien sicherlich mitbekommen: Spanien ist gerade in höchstem Alarmzustand, dank Coronavirus bzw. COVID-19. Das betrifft natürlich auch unser Tierheim, unsere Vierbeiner sowie das gesamte Tierheimteam vor Ort.

Die Maßnahmen der spanischen Regierung sind drastisch! Es wurde eine 15-tägige Ausgangssperre verhängt. Außer Apotheken, Ärzten und Supermärkten ist alles geschlossen. Auch wir empfangen in unserem Tierheim bis auf Weiteres keine Besucher. Wir selbst dürfen nur noch aus zwingend notwendigen Gründen das Tierheim verlassen. Das bedeutet für uns und unsere Vierbeiner konkret:

  • Das Gassigehen mit unseren knapp 70 Tierheimhunden wird immer schwieriger. Man darf sich nur noch max. 150 Meter vom Grundstück entfernen und höchstens 15 Minuten Gassi gehen. Wir fürchten, dass diese Einschränkungen für uns noch verschärft werden, denn wir müssen ja mit 70 Hunden Gassi gehen. Wir halten täglich den Atem an, welche Auflagen die Behörden als nächstes anordnen. Denn aus deren Sicht könnten die Hunde sicherlich auch in ihren Freiläufen und Gehegen ihr Geschäft erledigen.

  • Die Tierärzte und auch die meisten Tierkliniken behandeln nur noch Notfälle. Impfungen, Wundbehandlungen, kleinere OPs etc. finden aktuell nicht statt. Desinfektionsmittel, Alkohol, Masken, Handschuhe etc. werden den Tierärzten und -lieferanten weggenommen, um sie für die Versorgung der zweibeinigen Patienten zu sichern. Das bedeutet für unsere Vierbeiner, dass sie medizinisch von uns – soweit möglich – grundversorgt werden, alles andere aber warten muss.

  • Unsere Mitarbeiter brauchen für ihren Weg ins Tierheim eine offizielle Bescheinigung von uns (Arbeitszeiten, Kennzeichen, Ausweisnummer). Nur dann sind sie berechtigt, zu uns – also zur Arbeit – zu kommen. Das wird strengstens kontrolliert. Zur Überwachung der verhängten Ausgangssperre nutzt die Polizei sogar Drohnen. Wir stellen nun zur Sicherheit auch für jede berufliche Fahrt (Einkaufen, Tierarzt, Apotheke etc.) eine extra Bescheinigung aus.

  • Da der erste Futtermittel-Lieferant bis auf Weiteres schließt und aufgrund der schwierigen Liefersituation weitere folgen werden, haben wir kurzfristig noch eine große Ration Futter für die nächsten 4 Wochen im Wert von € 5.000 bestellt. Nicht auszudenken, was passiert, wenn das Futter irgendwann leer ist und wir kein neues bekommen können!

  • Was aufgrund der extremen Flugsituation für uns besonders tragisch ist, ist die Tatsache, dass wir vermittelte Hunde und Katzen nicht nach Deutschland ausfliegen können. Die meisten Flüge wurden storniert, Flugpaten sagen ab, neue Flüge sind nicht in Sicht. Aktuell warten 7 Hunde auf ihren Flug in ihr neues Zuhause. Das bedeutet natürlich auch, dass wir zurzeit keine neuen Tiere aufnehmen können, weil unsere Platzkapazitäten nahezu erschöpft sind.

  • Eine weitere Dramatik des COVID-19 ist für uns, dass wir keine Tiere aus Notsituationen retten können. Die Ausgangssperre schiebt hier ganz klar einen Riegel vor. Das bedeutet außerdem für Tiere, die normalerweise vor unserem Tierheim ausgesetzt würden, dass sie nun von ihren Besitzern auf anderen Wegen „entsorgt“ oder bestenfalls einfach laufengelassen werden. Denn viele Leute glauben nach wie vor, dass ihre Tiere das Coronavirus auf Menschen übertragen können, was absoluter Quatsch ist. Die Zahl der ausgesetzten Tiere wird hier in den nächsten Wochen sicherlich in die Höhe schnellen.

  • Auch bei den Vermittlungen macht sich das Virus bemerkbar, die Anfragen für Hunde und Katzen gehen stark zurück. Das Telefon in unserem Bensheimer Büro klingelt nur sehr selten und auch per E-Mail gehen kaum Vermittlungsanfragen ein. Das ist für unsere Vierbeiner natürlich fatal. Die meisten sitzen schon viele Monate, teils Jahre, bei uns. Es wäre für sie so wichtig, endlich ein neues Zuhause zu finden. Aber natürlich haben viele Menschen gerade andere Dinge im Sinn.

  • Verständlicherweise möchten unsere ehrenamtlichen Helfer, die sich gerade auf Teneriffa befinden, aufgrund der undurchsichtigen Lage schnellstmöglich zurück zu ihren Familien nach Deutschland. Deshalb verlassen uns unsere Helferinnen bis spätestens Ende des Monats (abhängig von der Flugsituation). Ob und wann dann wieder neue kommen werden, ist aktuell völlig unklar. Das bedeutet wiederum für uns, dass wir personell am unteren Limit arbeiten.

Sie sehen, die Situation auf der Insel ist für uns gerade extrem schwierig. Und wir fürchten, dass das noch nicht das Ende der Fahnenstange ist. Sehr wahrscheinlich werden der Alarmzustand und die Ausgangssperre auf 30 Tage verlängert und die beruflichen Bedingungen weiter verschärft. Nicht alle Jobs dürfen dann noch ausgeführt werden. Was passiert, wenn unsere externen Mitarbeiter nicht mehr zur Arbeit kommen dürfen? Die Betreuung von Tieren hat für Spanien sicherlich keine Priorität. 

Und was ist, wenn eine/r unsere/r Mitarbeiter/innen erkrankt? Nicht auszudenken, was das für uns bedeuten würde! Wir stünden unter Quarantäne, es dürften von außen keine Mitarbeiter mehr ins Tierheim kommen, wir könnten nicht zum Tierarzt oder zum Gassigehen, es wären nicht genügend helfende Hände da, um alle Hunde und Katzen zu versorgen … ein Szenario, das wir uns lieber nicht vorstellen möchten. Aber so unrealistisch ist es leider nicht!

Auch die Futtermittelversorgung macht uns große Sorgen. Das Futter reicht noch für wenige Wochen. Wenn sich die Lage weiter zuspitzt, wovon aktuell ausgegangen werden muss, kommen die Lieferungen irgendwann ganz zum Erliegen. Teneriffa ist nun mal eine Insel, sämtliches Futter, Katzenstreu etc. muss per Schiff oder Flugzeug gebracht werden. Wie weit wird der Alarmzustand in Spanien noch gehen?

In Zeiten, in denen jeder erst einmal an sich selbst und seine Liebsten denken muss, auch finanziell, lässt natürlich auch die Spendenbereitschaft nach. Erste Anzeichen dafür stellen wir bereits fest. Wir können nur hoffen, dass wir alle diese Krise unbeschadet überstehen und wir unsere Tiere auch noch in einigen Monaten versorgen können.

Liebe Tierfreunde, das war ein sehr ausführlicher Bericht. Das Coronavirus hat nicht nur unser aller Leben, sondern auch das unserer Vierbeiner verändert und stark eingeschränkt. Die Auswirkungen des Virus machen uns Angst und sind für unser Tierheim existenziell. Wir werden Sie weiter auf dem Laufenden halten und Sie über alles Wichtige informieren. Bitte bleiben Sie gesund, passen Sie gut auf sich auf und denken Sie immer daran: gemeinsam schaffen wir das!

Herzlichst

Ihr Arche Noah-Team